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Verlag Wei├če Reihe

Edition No. 5 – Walser Kassette

Jeder Jahrgang unserer Wei├čen Reihe wird begleitet von einer limitierten leinengebundenen Kunstkasse, der in der Regel alle Originalgraphiken zum Buch beiliegen. F├╝r unsere Schweiz-Edition 2016, die sich dem Spaziergang von Robert Walser widmet, sind wir erstmals neue Wege gegangen: F├╝r diese Edition hat Jochen St├╝cke exklusive Zeichnungen gefertigt. Die Kassette beinhaltet daf├╝r 10 mehrfarbig gedruckte Serigraphien zu Robert Walser. Einige der Serigraphien greifen Motive der Zeichnungen aus dem Buch auf, andere f├╝hren den Bildkanon noch ├╝ber das Buch hinaus.

Aufnahme in die Sammlung vom Stadtmuseum M├╝nster, 12/2016

Jochen St├╝cke zur Serigraphie:
ÔÇ×Ich selber komme erst zur Serigraphie, als ich sie in der Nachbarschaft meiner Tuschen und Gouachen entdecke. Bis dahin habe ich f├╝r die besondere Rolle der Farbe, die diese in meiner Arbeit spielt, druckgraphisch keine echte Perspektive gesehen. Denn die Frage der den Dingen zuzuordnenden Lokalfarben ist f├╝r mich dabei weniger ausschlaggebend als die Substanz der verschiedenen, miteinander arbeitenden Farbmassen, aus denen sich die Motive und ihre Formen herausbilden m├╝ssen. Die Masse beschreibt in diesem Sinne eine nur ├Ąu├čerst geringe Menge. Sie bezeichnet vielmehr eine Gesamtheit, ein Zusammenwirken der T├Âne, das von sehr fragiler Natur sein kann. Das Klangspiel, wie ich es verstehe, ist keines der Pr├Ągungen. Es ist eher eines der subtilen Schichtungen, der zart durchscheinenden ├ťberlagerungen, die so wirken, als k├Ânnten sie zu jeder Zeit wieder verwehen. Das Schwebende und Leichte muss sich der, der europ├Ąisch gepr├Ągt ist, mit Geduld erarbeiten. Der Hauch, altgriechisch Psyche, verlangt dem Verfahren des Seidens etwas ab, das der Aufmerksamkeit unserer all zu festen Willenskraft h├Ąufig entgeht. (…) Ich zerlege meine Bildphantasien vom Ende her in die einzelnen Schichten, die n├Âtig sind, um mich meiner Vorstellungskraft visuell anzun├Ąhern. Meiner urspr├╝nglichen Annahme entspricht die Anzahl der Siebe, die, sukzessive ├╝bereinander gedruckt, offenbaren, ob ich weitere hinzunehmen oder bereits vorbereitete herausnehmen muss. Dabei ist einzig die k├╝nstlerische Absicht ausschlaggebend, ob ich drei, f├╝nf, oder sieben (in einzelnen F├Ąllen mehr als zehn) Siebe verwende. Das Planerische und das Intuitive balancieren sich in gegenseitiger Abh├Ąngigkeit miteinander aus. Ich muss den Liebhaber entt├Ąuschen, der die Farben abz├Ąhlen und somit ein Puzzle zusammensetzen will. Denn die mitzudenkende Transparenz des hauchzarten Pigmentauftrags vervielfacht die Farbabstufungen, die das Motiv langsam aufbauen. Das kann mitunter dazu f├╝hren, dass erst mit dem dritten, vierten oder siebten Sieb f├╝r den Au├čenstehenden erkennbar wird, was sich aus dem Farbnebel herausbilden soll. In diesem darf das Ziel anfangs nur geahnt werden, denn es liegt nicht selten neben dem, wo wir es konkret vermuten.ÔÇť (Auszug aus Jochen St├╝cke, Sieben Seiden, 2016)